{"id":100,"date":"2009-02-21T21:37:09","date_gmt":"2009-02-21T20:37:09","guid":{"rendered":"https:\/\/www.fallen-lands.de\/blog\/?p=100"},"modified":"2009-02-21T21:37:09","modified_gmt":"2009-02-21T20:37:09","slug":"sleyghjin-rot-gluhende-augen-im-schneesturm","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.fallen-lands.de\/blog\/sleyghjin-rot-gluhende-augen-im-schneesturm","title":{"rendered":"Sleyghjin &#8211; rot gl\u00fchende Augen im Schneesturm"},"content":{"rendered":"<p>Traumwandler<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.fallen-lands.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2009\/02\/winter-wald.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-107\" title=\"Winter Wald\" src=\"https:\/\/www.fallen-lands.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2009\/02\/winter-wald.jpg\" alt=\"Winter Wald\" width=\"185\" height=\"139\" \/><\/a>Es war eine kalte, mondlose Winternacht. Der Wind pfiff durch die Baumwipfel und schleuderte den frisch gefallenen Schnee durch die Luft, die ohnehin schlechte Sicht absolut behindernd. Leise war ein Wimmern zu vernehmen, fern und doch seltsam deutlich, <strong>dem w\u00fctenden Schneesturm trotzend<\/strong>. Spuren im polsterweichen Wei\u00df deuteten darauf hin, dass hier vor kurzem ein Tier vorbeigekommen war. Wieder dieses Wimmern, ganz zart und hilflos mochte es klingen.<\/p>\n<p><em>&#8230; wach auf &#8230;<\/em><\/p>\n<p><strong>Er schlug die Augen auf<\/strong>, einen gellenden Schrei aussto\u00dfend, und fand sich in einem warmen Bett wieder, ausgestreckt liegend. Total entkr\u00e4ftet und erm\u00fcdet, wie nach einem Marathon, versuchte er sich langsam aufzusetzen. Schleppend war jede der Bewegungen des Mannes. Er strich das wei\u00dfe Haar, welches in Str\u00e4hnen vor seine zinoberfarbenen Augen fiel aus der Stirn. <em>&#8220;Wo, .. wo bin ich?&#8221;<\/em>, wisperte der Junge von an die zwanzig Jahren vor sich hin und lies seinen Blick suchend durch das Zimmer schweifen, bis er sich wieder entsinnen konnte wo er war. Kalte klare Schwei\u00dftropfen perlten von seiner Stirn, wieder strich er mit der Hand dar\u00fcber und zauderte merklich als das kalte Nass die Haut seiner Finger benetzte. <em>&#8220;Wieder dieser Traum.. was ist mit mir blo\u00df los?&#8221;<\/em> Er schlug die Decke zur Seite und streckte sich g\u00e4hnend. Die M\u00fcdigkeit in seinen Knochen kaum f\u00e4hig zu vertreiben, versuchte er seine Beine aus dem Bett zu bekommen. Seine Zehen tasteten den Boden ab, seine Schuhe suchend und findend.<\/p>\n<p><em>*klopf* *klopf*<\/em><\/p>\n<p>Das Klopfen durchdrang seine Glieder wie ein Blitz des Metall einer R\u00fcste. Die Farbe wich aus seinem Gesicht und er riss seine Augen weit auf, seine Finger im Stoff der Decke verkrampfend. Dann fasste er sich wieder ob des Schrecks und stellte sicher, dass er auch bekleidet war. Er streifte hastig eine Hose aus feinem schwarzen Leder \u00fcber und erhob schlie\u00dflich seine hell klingende Stimme. <em>&#8220;Ja? Ich bitte euch herein.&#8221;<\/em> Herein trat eine blonde Maid, geh\u00fcllt in bezaubernd schimmernde Stoffe, es mochte Seide oder Satin sein. <em>&#8220;Oh, bist du auch wohlauf?&#8221;<\/em> Er nickte nur. <em>&#8220;Du siehst so m\u00fcde aus, ich sch\u00e4tze, du hast wieder schlecht geschlafen.&#8221;<\/em> Erneut entlockte sie ihm nur ein Nicken. Dann malten ihre Lippen ein leuchtendes L\u00e4cheln auf ihr Gesicht, w\u00e4hrend ihre himmelblauen Augen den Blick der seinen suchten. <em>&#8220;Ich glaube du solltest dir nicht so viele Gedanken ob des Traumes machen. Komm, jetzt werden wir dich erstmal gut versorgen, Mariah hat schon den Kessel \u00fcber das Feuer gestellt und br\u00fcht gerade Tee f\u00fcr unser Fr\u00fchst\u00fcck. Wir haben einen anstrengenden Tag vor uns, Sleyghjin.&#8221;<\/em> Sie hatte es geschafft die Sorgen aus seinem Geist zu vertreiben und auch ihm ein L\u00e4cheln auf seine fein geschnittenen Z\u00fcge zu zaubern. <em>&#8220;Ohja, danke nochmal Liona. Ich m\u00f6chte deine Gastfreundschaft nicht ausnutzen, also hoffe ich dir irgendwie zu Diensten sein zu k\u00f6nnen. Aber gut, &#8230;&#8221;<\/em> sein Magen knurrte lautstark und unterbrach ihn beim Reden. Beide konnten ein Grinsen nicht unterdr\u00fcckten, dann setzte der junge Mann wieder fort <em>&#8220;&#8230;lass uns jetzt runter gehen. Ich wette Mariah hat wieder ein wahres Festmahl gezaubert, nicht?<\/em>&#8221; Sie nickte und reichte Sleyghjin noch ein feines Hemd. <em>&#8220;So, und jetzt wollen wir uns sputen, nicht? Ja doch!&#8221;<\/em> sie kicherte hell, ihn am Handgelenk packend und mit ihm aus dem Zimmer eilend.<\/p>\n<p>Dort angekommen begr\u00fc\u00dft Mariah die beiden freundlich mit einem L\u00e4cheln auf ihren Lippen <em>&#8220;Ai, wie ich sehe ist der gute Herr wieder einmal aus dem Schlummer erwacht? Plagen euch noch immer Alptr\u00e4ume, Herr?&#8221;<\/em> Kurz blickte er zu Boden, nur um sich wieder die Bilder aus dem <strong>Traum vor Augen<\/strong> zu f\u00fchren. <em>&#8220;Nun, Alptr\u00e4ume w\u00fcrde ich es ja nicht direkt nennen, wisst ihr? Aber die wiederkehrenden Visionen machen mich einfach langsam irr. Ich wei\u00df nicht welchen Sinn die Bilder haben sollen, und doch f\u00fchlt sich alles so bekannt an. Naja, was solls, ich h\u00f6r meinen Magen knurren, das macht mir gerade mehr sorgen.&#8221;<\/em> Bei diesen Worten musste er wieder die Mundwinkel zu einem leichten Schmunzeln hochziehen, sogleich die h\u00f6lzerne Lehne umfassend, um den Stuhl zur\u00fcckzuziehen. Er nahm Platz, w\u00e4hrend die \u00e4ltere Magd gesch\u00e4ftig durchs Zimmer eilte, und, so wie bereits von Sleyghjin vermutet, ein wahres Festmal auftischte.<br \/>\nSleyghjin nahm riss sich ein St\u00fcck vom Brot ab und nahm sich auch eine Ecke vom frischen K\u00e4se, den Mariah am Markt zuvor erstanden hatte. Behaglich und in Gedanken versunken kaute er an den Speisen und sp\u00fclte den Rest mit einem Schluck hei\u00dfen Tee runter, fast sogar zu schnell, denn die dampfende Br\u00fche war hei\u00df wie es nur die H\u00f6llen des Yomi sein konnten. Liona, die ebenso am Tisch Platz genommen hatte, lachte hell auf als Sleyghjin nach kalter Luft ringte, w\u00e4hrend Tr\u00e4nen ihm in die Augen stiegen. Mariah war aber auch bereits wieder zur Stelle um sich um den seltsamen Gast zu k\u00fcmmern. <em>&#8220;Der Tee ist noch hei\u00df, ihr solltet nicht so gierig sein, Herr. Oh&#8230; au\u00dferdem..&#8221;<\/em>, dann wurde sie von Linoa unterbrochen, <em>&#8220;..au\u00dferdem ist heute ein sch\u00f6ner Tag. Der <strong>Schneesturm<\/strong> hat aufgeh\u00f6rt, man kann also auch getrost wieder rausgehen.&#8221;<\/em> Mariah nickte zustimmend <em>&#8220;Ja, Li, aber wir sollten die Zeit nutzen um ein paar wichtige Besorgungen zu machen. Das Feuerholz neigt sich dem Ende zu, und au\u00dferdem sollten wir noch ein paar Eink\u00e4ufe t\u00e4tigen. Der Winter hat gerade seinen H\u00f6hepunkt erreicht.&#8221;<\/em> Sleyghjin, immer noch das Essen in sich reinstopfend, schaut hoch und guckte mit seinen r\u00f6tlich schimmernden Augen zu Linoa, <em>&#8220;Ich werde mich um das Feuerholz k\u00fcmmern, alles was ich brauche, ist eine gute Axt und eine Wegbeschreibung. Ich glaube ich war schon lang&#8217; nicht mehr drau\u00dfen. Wieviele Tage bin ich denn jetzt schon bei euch?&#8221;<\/em> Linoa war gerade wieder dabei sich in seinen Augen zu verlieren, als sie dann doch noch halt fand, und antwortete <em>&#8220;Oh, ich glaube mich recht zu erinnern, dass wir dich vor knapp drei Monden in den W\u00e4ldern gefunden haben. Du warst .. &#8220;<\/em> sie kicherte pl\u00f6tzlich hell <em>&#8220;.. du warst splitterfasernackt. Naja, jedenfalls haben wir uns Sorgen um dich gemacht, wir dachten, du w\u00fcrdest nie aufwachen. Dann nach einer Woche hast du die Augen aufgeschlagen und nach Ahana gefragt. Naja, und weil der Schneesturm in den letzten Monaten so gigantische Ausma\u00dfe annahm, konnten wir kaum raus ins Freie, geschweige denn ins Tal.&#8221;<\/em> Wieder nickte Sleyghjin.<br \/>\n<em>&#8220;Ah, Herr, also wenn ihr uns behilflich sein wollt, kann ich euch eine Axt geben. Sie h\u00e4ngt in er Scheune. Nehmt euch auch einen dicken Mantel, ja? Dass der Schneesturm aufgeh\u00f6rt hat, hei\u00dft noch lange nicht, dass das Wetter grandios w\u00e4re.&#8221;<\/em> merkte die alte Mariah an. Sie war gerade in ihren &#8216;besten Jahren&#8217; und spr\u00fchte trotz ihres Alters voller Energie. <em>&#8220;Ich werde mich um die Zimmer k\u00fcmmern, au\u00dferdem muss die W\u00e4sche mal wieder gewaschen werden. Li? Ich denke du solltest einkaufen gehen, nur wenn du willst nat\u00fcrlich. Ich w\u00fcrde es auch selbst machen aber&#8230;&#8221;<\/em> Mariah l\u00e4chelte, aber Linoa winkte ab <em>&#8220;Ist doch kein Problem Tantchen.&#8221;<\/em> Kurz schaute der Gast der beiden Damen verdutzt hoch. Tantchen? Das war ihm neu, aber gut, damit wollte er sich jetzt nicht besch\u00e4ftigen, und erhob sich, nachdem er alles verputzt hatte und das Knurren seines Magens verstummt war.<\/p>\n<p>Er betrat die Scheune durch das Innentor, welches von dem Haupthaus direkt in den gro\u00dfen Abstellraum f\u00fchrte, in dem sich allerlei Ger\u00e4t t\u00fcrmte. Die Axt war schnell gefunden, und auch die Kleider hangen gut verstaut im Schrank neben dem Haupttor. Flink war er in den dicken Mantel geschl\u00fcpft, der wohl aus Schafwolle gestrickt war. Ah wie sch\u00f6n es doch drau\u00dfen sein musste, dachte er bei sich. Die ganze Zeit war er hier in immer den selben vier W\u00e4nden gefangen, und seine Seele verlangte nach mehr&#8230; nach Freiheit. Er erinnerte sich \u00fcberhaupt nicht mehr an seine Vergangenheit, an seine Kindheit, an seine Jugend .. oder \u00fcberhaupt seine Eltern. Das einzige was ihm blieb war der Traum und ein seltsames Pochen in seinen Gliedern, wenn er schlief. Es war f\u00fcr ihn gar so, als w\u00fcrde er des Nachts durch das Dickicht des Waldes schl\u00fcpfen um sich vor den Augen irgendeines dunklen Verfolgers zu verstecken. Aber gut, er spielte das jetzt als &#8216;schlechte Tr\u00e4ume&#8217; herab. Nicht mehr als ein Traumbild, das leider viel zu oft wiederkehrte, als es ihm lieb war. Naja, was auch immer der Traum ihm sagen wollte, <strong>Sleyghjin<\/strong> war zwar neugierig, aber bislang konnte er nie die Spur verfolgen, die ihn wohl eventuell zu Hinweisen f\u00fchren konnte. Ah, er lachte hell auf, als er in die Sonne hinaustrat, und seine dunklen Lederstiefel im Schnee versanken, ob seines Gewichts. Der junge Mann war richtig froh endlich das Haus verlassen zu k\u00f6nnen. Tief durchatmend, streckte er sich, in der einen die Axt haltend, die andre zur Faust geballt. Ein fr\u00f6hliches Liedchen pfeifend machte er sich dann gen Norden auf, sein Ziel, den Forst hinter dem Haus, aufsuchend.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.fallen-lands.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2009\/02\/graue-woelfe-winter.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-105\" title=\"graue w\u00f6lfe Winter\" src=\"https:\/\/www.fallen-lands.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2009\/02\/graue-woelfe-winter.jpg\" alt=\"graue w\u00f6lfe Winter\" width=\"240\" height=\"285\" \/><\/a>Vor ihm tat sich ein schmaler Weg auf, obwohl die Bezeichnung eher unpassend f\u00fcr diesen Pfad war. Er war absolut zugeschneit, aber man konnte an den B\u00e4umen halbwegs erahnen wann man vom Weg abgekommen war, der hier eigentlich unter der Schneeschicht zu finden w\u00e4re. Mehrere Minuten folgte er diesem Pfad, durch den wei\u00dfen Polster stapfend, bis er dann schlie\u00dflich auf einer Lichtung angekommen war. Hier fand er die B\u00e4ume, ob deren Holz Mariah ihn ausgesandt hat. Schnell waren gro\u00dfe Baumst\u00e4mme gefunden, die die Last des Schnees gef\u00e4llt hatte, und er machte sich an die Arbeit. Gut, er war nicht besonders stark, aber er wollte es zumindest versuchen, da er nicht unt\u00e4tig im Zimmer sitzen konnte. Wieder schlich sich das fr\u00f6hliche Lied, dessen Ursprung er nicht deuten konnte, \u00fcber seine Lippen&#8230; doch dann&#8230; Kurz schien es um ihn herum dunkel zu werden. Er drehte sich herum, um sicherzustellen, dass er nicht vom Weg abgekommen war, und sich auch noch immer auf der Lichtung nahe des Weges befand. Doch als ob man ihm einen schweren Schlag versetzt h\u00e4tte, wurde ihm klar, dass diese Sorgen mehr als minimal gegen das waren, worauf er sich jetzt vorzubereiten hatte.<br \/>\nEin halbes <strong>dutzend rot gl\u00fchender Augenpaare<\/strong> glimmten wie Kohlenst\u00fccke in den Schatten des Dickichts, und er vernahm bereits das Knurren der J\u00e4ger, die sich hier im Forst verwunderlich nahe an den Menschen aufhielten&#8230; Winterw\u00f6lfe. Schnell waren sie aus dem Unterholz hervorgesprungen, und kreisten ihn ein, w\u00e4hrend er seine Axt fester umfasste. Sinnlos, dachte er bei sich, denn er war schwach, und die Axt w\u00fcrde ihn kaum vor sechs hungrigen W\u00f6lfen retten k\u00f6nnen. Z\u00e4hnefletschend trat ein Winterwolf nach dem andren auf ihn zu, und gl\u00fchte ihn mit seinen unnat\u00fcrlichen Augen an. Sleyghjin schob langsam ein Bein weiter nach hinten, um besseren Stand zu suchen, w\u00e4hrend er den Stiel der Axt mit beiden H\u00e4nden zu greifen suchte. Wie w\u00fcrde er lebend da wieder rauskommen?<br \/>\nAus heiterem Himmel jedoch, ohne jegliches Vorzeichen, schob sich eine Wolke aus undurchdringbarer Dunkelheit zwischen ihn un die W\u00f6lfe. Der junge Mann fluchte und war total verwundert ob der Geschehnisse. Geistesgegenwertig duckte er sich nach unten, dann schallte ein Donnergrollen durch die Luft, und hinterlies nur den Geruch verbrannten Fleisches. Das Aufheulen des Wolfpacks war nicht zu \u00fcberh\u00f6ren, jedoch fl\u00fcchteten sie wohl in alle Himmelsrichtungen, sofern sie das noch konnten. Sleyghjin verlor nun aber das Bewusstsein. Es entglitt ihm schleichend, und wich einem ihm wohl bekannten Traum, und M\u00fcdigkeit hielt in seine Knochen Einzug.<\/p>\n<p><em>&#8230; wieder dieser Traum &#8230;<\/em><\/p>\n<p><strong>Der Schneesturm flaute ab<\/strong>. Langsam sickerten die aufgewirbelten Schneeflocken zu Boden, und bedeckten die Spuren im wei\u00dfen Polster. Im schwarzen Nachthimmel hangen glitzernde Sterne, Diamanten gleich, die vom fahlen Mondlicht beschienen wurden. Das Wimmern war nun deutlich lauter geworden, klang nicht weit entfernt. Den Blick zum Ursprung wendent erblickte Sleyghjin eine Einbuchtung in einem H\u00fcgel, der von dichtem Unterholz \u00fcberwuchert war. Offensichtlich drangen die Klagelaute von unten herauf an seine Ohren, und so machte er sich daran seine Neugier zu stillen. Er bewegte sich lautlos, hinterlies keine Spuren und musste sich \u00fcberhaupt nicht anstrengen, au\u00dferdem war ihm verwunderlicherweise nicht kalt, trotz des gerade endenden Blizzards. Doch dies hinderte ihn in keinster Weise am Erkundschaften seiner Umgebung und dieses &#8230; Tunnels.<br \/>\nKaum hatte er einen Schritt in die dunkle H\u00f6hle getan, die gerademal hoch genug war, dass er darin kriechen konnte, versp\u00fchrte er eine seltsame W\u00e4rme vom inneren Ausgehen. Ein Gef\u00fchl der Vertrautheit umfing sein Herz und schenkte ihm Frieden und Sorglosigkeit. Wo war er hier hingelangt? Diese Frage war schnell wieder aus seinem Geist gefegt worden, denn sein Blick fiel auf den kleinen Schreihals, der mit seinen Rufen versuchte seine Mutter auf sich aufmerksam zu machen. Sleyghjin betrachtete das kleine Tier eingehend. Ungew\u00f6hnlich. Er schien sich in der Gegenwart des kleinen Rackers, der wohl ein Fuchswelpe war, sichtlich wohlzuf\u00fchlen. Der Mann legte sich sogar neben das Tierchen, das seiner Gegenwart offensichtlich nicht einmal gewahr wurde, aber kein Wunder, dachte sich Sleyghjin, war der junge Fuchs doch noch blind. Dort schlief er dann auch sogleich ein, und sein Geist f\u00fcllte sich mit Dunkelheit, wie ein Blatt Papier, \u00fcber welches Tinte versch\u00fcttet worden war.<\/p>\n<p>Warme Sonnenstrahlen neckten die Augenlider des noch schlafenden Jungen, und er versuchte verzweifelt sich dauernd umherw\u00e4lzend das Licht aus dem Blickfeld zu verlieren. <em>&#8220;Irrtum&#8230; du stehst jetzt auf, Kit&#8221;<\/em> sagte eine tief brummende, aber gutm\u00fctige m\u00e4nnliche Stimme, und eine warme Hand mit wurstigen Fingern r\u00fcttelte an Sley&#8217;s Schulter. <em>&#8220;Wa-wa-warrrr&#8230;.&#8221;<\/em> &#8216;kr\u00e4chzte&#8217; dieser, unf\u00e4hig sich irgendwie verst\u00e4ndlich zu machen. Dann schlug er widerwillig die Lider auf, ob der Sonne blinzelnd, und sah in die <strong>tiefdunklen Augen<\/strong> eines glatzk\u00f6pfigen, langb\u00e4rtigen Mannes, der sich \u00fcber ihn gebeugt hatte. <em>&#8220;Du hast dich wohl ein klein wenig verletzt, mein gutes Kindchen.&#8221;<\/em> Der Blick des Alten wirkte richtig besorgt, und mit der noch eben r\u00fcttelnden Hand vollf\u00fchrte er streichelnde Bewegungen \u00fcber Sleyghjins R\u00fccken. Doch halt. Was war das f\u00fcr ein seltsames Gef\u00fchl. Und was war das f\u00fcr eine verdammt seltsame Nase? Was zum Kuckuck? <em>&#8220;Was macht ein so sch\u00f6nes Fuchstierchen wie du..&#8221;<\/em> .. <strong>Sleyghjin riss die Augen<\/strong> weit auf, und rang geradezu keuchend um Luft .. brachte aber nur ein Wimmern heraus. Sleys Helfer nahm den jungen, seltsamen Fuchs auf seinen Arm und trug ihn behutsam in seine kleine H\u00fctte. Egal ob er es wollte oder nicht, er h\u00e4tte auch nicht die Kraft dazu gehabt, irgendwas gegen seine Situation zu tun. Er war einfach nur ausgeliefert. <em>&#8220;Mein Name ist Akino, kleiner Fuchswelpe. Und wer ist mein Gast?&#8221;<\/em> noch immer lies er seine weichen Finger durch das schneewei\u00dfe Fell des F\u00fcchschens gleiten, was das Herz des Kleinen sogar wieder ein wenig langsamer schlagen lie\u00df. <em>&#8220;Armer Kyubi. Die b\u00f6sen, b\u00f6sen W\u00f6lfe m\u00fcssen dir wohl \u00fcbel zugesetzt haben?&#8221;<\/em> Aus den tiefroten Augen des Albinofuchses war eindeutig zu erkennen, dass sich dieser gerade wieder an die grauenerregenden Szenen erinnerte&#8230; aber was war passiert? Warum war er jetzt im K\u00f6rper eines kleinen Fuchses gefangen, dessen gesamtes Fell wei\u00df war, au\u00dfer den Ohren, Pfoten, einer schmalen Fellzeichnung von seiner Schnautze aus \u00fcber seine Stirn hinweg und am Ende seines Schweifs. Innerlich brummte Sleyghjin, sp\u00fchrte etwas seltsames .. aber mit jedem Atemzug wiederum auch wohler in seiner Haut. War es die Anwesenheit des alten Akino, oder war er einfach nur wieder m\u00fcde und hatte sich mit seiner Situation abgefunden? Es war egal, aber er f\u00fchlte sich einigerma\u00dfen sicher. Auf jeden Fall w\u00fcrden die W\u00f6lfe sicher nicht so nahe an diese H\u00fctte herankommen, so hoffte er zumindest. Meister Akino hatte den kleinen Fuchs in ein f\u00fcr ihn vorgesehenes K\u00f6rbchen gebettet, und ihn in eine samtene, wohlig warme Decke geh\u00fcllt. Sleyghjin konnte sich so endlich ein wenig von den Strapazen erholen. Der Alte hatte ihm au\u00dferdem die linke Hinterpfote verbunden, und ihm etwas zu fressen gegeben. Ja, eigentlich f\u00fchlte er sich mittlerweile wirklich wohl&#8230;<\/p>\n<p><em>&#8230; oh, wie s\u00fc\u00df &#8230;<\/em><\/p>\n<p>Der milds\u00fc\u00dfe Odem von Rosenbl\u00fcten drang an seine Schnautze und neckte sie mit seinem lieblichen Duft. Als der kleine Welpe die Augen aufschlug und sich aus dem Korb heraushievte tat sich ihm ein mystisch-sch\u00f6ner Anblick auf. Akino hatte einen Kreis aus wundersam gef\u00e4rbten Kerzen bereitet, der durchaus gro\u00dfz\u00fcgig gezogen war und fast den ganzen Inkreis der H\u00fctte beschrieb. Innerhalb des Kreises war ein h\u00f6lzerner Trog mit hei\u00df dampfendem Inhalt zu sehen. Der Geruch der Rosenbl\u00fcten schien wohl von dort her\u00fcber zu kommen. <strong>Sleyghjins Gastgeber<\/strong> hatte seine \u00c4rmel hochgekrempelt und war gerade damit besch\u00e4ftigt hei\u00dfes Wasser aus einem Bottich in den Trog zu sch\u00fctten. Dabei schaute er zu seinem f\u00fcchsischen Findelkind auf. <em>&#8220;Na Kleiner? Wieder aufgewacht? Ich habe dir hier ein Bad bereitet, ..&#8221;<\/em> kurz huschte ein L\u00e4cheln \u00fcber die Z\u00fcge Akinos, ehe er seinen Satz erg\u00e4nzte <em>&#8220;Es wird dir helfen wieder Kraft zu finden.. und noch einiges mehr.&#8221;<\/em> Dann stellte der Alte den Bottich neben den gr\u00f6\u00dferen Beh\u00e4lter und schritt an ihm vorbei, zu dem Korb, in welchem der Fuchs hockte und aufmerksam zu den Geschehnissen blickte.<\/p>\n<p>Sley war echt mehr als verdutzt, aber auch ein klein wenig neugierig. Er verfolgte jede Bewegung des Weisen mit aufmerksamer Wissbegier und ihm fiel erst jetzt wirklich auf, wie muskul\u00f6s der Alte doch war. Akino musste einen dicken Baumstamm von hier nach Tin-Hia tragen k\u00f6nnen&#8230; er sah so z\u00e4h wie ein alter B\u00e4r aus. <em>&#8220;Mh..&#8221;<\/em> irgendwie interessierte Sleyghjin dieser Gedankengang, doch nun stand der Weise wieder vor ihm und hob ihn aus seinem Korb hoch. Langsam und behutsam trug er seinen kleinen Freund zu dem Bad und senkte ihn in die Br\u00fche aus Rosenbl\u00e4ttern und hei\u00dfem Wasser. <em>Auuutsch! Ist das hei\u00df!<\/em> dachte er kurz bei sich, und er ertappte sich dabei wie er ein kaum h\u00f6rbares Wimmern ausstie\u00df. Die wurstigen Finger Akinos strichen sanft durch sein Fell an Sleys Kopf. <em>&#8220;Beruhig dich doch, Kleiner. Wirst schon sehn.. es hilft dir.&#8221;<\/em> Der Trog war nicht sonderlich tief, und so konnte er sich ohneweiteres und unbesorgt hinlegen. Seine Instinkte zwangen ihn mehrmals dazu hochzufahren, aber schlussendlich gewann der menschliche Anteil seines Geistes die Oberhand, und er konnte sich endlich beruhigen. Dann kehrte M\u00fcdigkeit in seine Knochen ein, eine wohlige Taubheit, die seine Gedanken wie hinter einem Nebel verschwinden lie\u00df&#8230;<\/p>\n<p><em>&#8230; schlafe sanft, Kleiner &#8230;<\/em><\/p>\n<p>Im Traum stand Sleyghjin auf einem verschneiten H\u00fcgel, in einer sternklaren, eiskalten Nacht. Der Nebel hatte sich auf den Boden gesenkt, sodass der Fuchs den Anblick des Mondes erhaschen konnte. Dann sp\u00fchrte er wie ein Ruck durch seinen Leib ging, der sich anf\u00fchlte, als w\u00fcrde etwas unter seiner Haut an die Oberfl\u00e4che treten. Schlie\u00dflich begann Sleyghjin zu wachsen&#8230; seine Z\u00fcge wurden immer menschen\u00e4hnlicher. Aus Pfoten wurden Pranken, aus Vorderbeinen wurden Arme&#8230; und er st\u00fcrzte auf seine neugewonnenen Knie. Sein Kopf fiel in den Nacken, seine Augen weit aufgerissen den Mond einfangend&#8230;&#8230;&#8230; dann brach er vorne\u00fcber zusammen, und das letzte Fleckchen Fell verschwand unter seiner menschlichen Haut&#8230;<br \/>\n<em><br \/>\n&#8230; wach auf &#8230;<\/em><\/p>\n<p>\u00dcber Akinos Z\u00fcge breitete sich ein weiches L\u00e4cheln aus, welches selbst durch seinen buschigen Bart zu sehen war. Er griff nach einem Handtuch, und Kleidern, die er schon vorbereitet hatte. Sein Blick lag auf dem Gesicht des jungen Mannes, der da nackt in seinem Badetrog schlafend lag. Er hatte <strong>Sleyghjin dabei beobachtet<\/strong>, wie er in den Schlummer fiel, und langsam .. mehr und mehr .. seine Gestalt ver\u00e4nderte. Wie er langsam zu wachsen anfing, und sein K\u00f6rper doch wieder zusammensackte. Akino wusste nat\u00fcrlich wer sein Gast war, auch wenn dieser es selbst nicht ahnte&#8230; oder zumindest vergessen hatte.<br \/>\n<em><br \/>\n&#8230; damit war der Schl\u00e4fer erwacht &#8230;<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein halbes dutzend rotgl\u00fchender Augenpaare glimmten wie Kohlenst\u00fccke in den Schatten des Dickichts, und er vernahm bereits das Knurren der J\u00e4ger, die sich hier im Forst verwunderlich nahe an den Menschen aufhielten&#8230; Winterw\u00f6lfe. Schnell waren sie aus dem Unterholz hervorgesprungen, und kreisten ihn ein, w\u00e4hrend er seine Axt fester umfasste. Sinnlos, dachte er bei sich, denn er war schwach, und die Axt w\u00fcrde ihn kaum vor sechs hungrigen W\u00f6lfen retten k\u00f6nnen. Z\u00e4hnefletschend trat ein Winterwolf nach dem andren auf ihn zu, und gl\u00fchte ihn mit seinen unnat\u00fcrlichen Augen an. Sleyghjin schob langsam ein Bein weiter nach hinten, um besseren Stand zu suchen, w\u00e4hrend er den Stiel der Axt mit beiden H\u00e4nden zu greifen suchte. Wie w\u00fcrde er lebend da wieder rauskommen? <\/p>\n","protected":false},"author":2257,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[22],"tags":[23,24],"class_list":["post-100","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-werwesen","tag-sleyghjin","tag-wolfe"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.fallen-lands.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/100","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.fallen-lands.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.fallen-lands.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.fallen-lands.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2257"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.fallen-lands.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=100"}],"version-history":[{"count":11,"href":"https:\/\/www.fallen-lands.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/100\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":113,"href":"https:\/\/www.fallen-lands.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/100\/revisions\/113"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.fallen-lands.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=100"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.fallen-lands.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=100"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.fallen-lands.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=100"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}