{"id":59,"date":"2009-02-08T23:24:55","date_gmt":"2009-02-08T22:24:55","guid":{"rendered":"https:\/\/www.fallen-lands.de\/blog\/?p=59"},"modified":"2009-02-14T10:00:44","modified_gmt":"2009-02-14T09:00:44","slug":"fallen-lands-das-leben-der-frau-siray","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.fallen-lands.de\/blog\/fallen-lands-das-leben-der-frau-siray","title":{"rendered":"Fallen Lands &#8211; das Leben der Frau Si&#8217;ray"},"content":{"rendered":"<h4>Si\u2019ray<\/h4>\n<p>Mit einem lauten Knall flog die Holzt\u00fcr auf und krachte \u00e4chzend gegen die Wand. In der T\u00fcr stand eine kleine, zierliche Frau, ihre Augen leuchteten zorneserf\u00fcllt und ihre Haare waren trotzt ihres Alters immer noch erstaunlich dunkel. Ihre d\u00fcrren Arme waren verschr\u00e4nkt und trotzt ihrer eher schw\u00e4chlich wirkenden Gestalt war ihr Schrei laut und durchdringend:<br \/>\n<em>&#8220;Siiiii\u2019raaaay&#8221;<\/em>, hallte es durch den Wald. Ihr Kreischen schreckte einige schwarze Kr\u00e4hen auf, die sich vor \u00dcberraschung laut schimpfend von ihren \u00c4sten erhoben und aufgescheucht umherflogen.<br \/>\nGrummelnd drehte sich die alte <strong>Frau<\/strong> auf den Fersen um und stapfte w\u00fctend zur\u00fcck in die kleine H\u00fctte. Das nutzlose M\u00e4dchen war mal wieder aus dem Haus gegangen, ohne ihre Arbeit zu tun. Nicht einmal ihr Bett war gemacht, die Decke lag achtlos in der Ecke, und auch der Kessel war nicht sauber und sie hatte nicht die Kr\u00e4uter geholt, die sie ihr aufgetragen hatte zu suchen. Mit sturem Blick kratze sie mit ihren Fingern\u00e4geln \u00fcber den verru\u00dften Kessel, der \u00fcber der Feuerstelle hing. Das schrille Ger\u00e4usch lie\u00df ihr eine G\u00e4nsehaut \u00fcber den R\u00fccken laufen, doch irgendwie musste sie ihrem \u00c4rger Luft machen. Wahrscheinlich trieb sie sich wieder irgendwo im Wald herum oder jagte kleine Tiere mit diesen Bauernl\u00fcmmeln. Primitives Pack. Sie w\u00fcrde&#8230;<br \/>\nDoch sie wurde j\u00e4h aus ihren Gedanken gerissen als ein junges M\u00e4dchen keuchend in die H\u00fctte gelaufen kam. Sie war h\u00fcbsch, kaum 17 Jahre alt. Ihre leuchtend roten Haare fielen ungeb\u00e4ndigt um ihr zierliches Gesicht und ihre dunklen Augen sahen die alte Frau schuldbewusst, aber auch listig an, so als w\u00fcsste sie ganz genau, wie sie die Wut ihrer Gro\u00dfmutter bes\u00e4nftigen konnte.<\/p>\n<p>&#8220;<em>Da bist du ja endlich<\/em>&#8220;, fauchte sie <strong>Si\u2019ray<\/strong> an. &#8220;&#8221;<em>Tu gef\u00e4lligst deine Arbeit, bevor du dich herumtreibst. Ich kann nicht alles machen, ich bin eine gebrechliche, alte Frau. Ich wei\u00df schon warum deine Mutter dich nicht wollte. Sie wusste ganz genau was eines Tages aus dir werden w\u00fcrde. Und wie dankst du mir meine Gro\u00dfz\u00fcgigkeit? Du solltest lieber froh sein dass sich \u00fcberhaupt jemand deiner angenommen hat<\/em>.\u201c<br \/>\n&#8220;<em>Nat\u00fcrlich Gro\u00dfmutter, ich wei\u00df doch dass ich dir so viel zu verdanken habe<\/em>&#8220;, antwortete Si\u2019ray. Ihre Gro\u00dfmutter schien den ironischen Unterton nicht zu bemerken und das junge M\u00e4dchen konnte sich ein Grinsen nicht verkneifen, kaum dass sich ihre Gro\u00dfmutter umgedreht hatte und leise vor sich her murmelnd zu den mit allerlei Gl\u00e4sern, Kr\u00e4utern und anderen merkw\u00fcrdigen Dingen vollgestellten Regalen schlurfte.<\/p>\n<p>Im Dorf erz\u00e4hlte man seltsame Geschichten \u00fcber die alte Frau. Manche hielten sie f\u00fcr eine Hexe, andere f\u00fcr eine wahnsinnige, verbitterte Frau. Die Tatsache, dass sie allerlei verschiedene Tr\u00e4nke herzustellen vermochte und man ihr nachsagte, sogar Tote wiederbeleben zu k\u00f6nnen, verbreitete nur die Angst vor ihr, so dass Leute tuschelnd die K\u00f6pfe zusammensteckten, wenn sie zu einem ihrer seltenen Besuche in die Stadt kam. Die Meinungen \u00fcber Si\u2019ray jedoch waren gespalten: Einige Leute hatten gro\u00dfes Mitleid mit ihr, sagte man doch, dass ihre Mutter bei ihrer Geburt gestorben w\u00e4re und Si\u2019ray deswegen bei ihrer griesgr\u00e4migen Gro\u00dfmutter aufwuchs. Diese jedoch hatte das Kind nie gemocht, ihre Trauer \u00fcber den Verlust der Tochter war zu gro\u00df, um ihrer Enkelin die liebevollen Gef\u00fchle einer Mutter entgegen zu bringen.<br \/>\nAndere hingegen hatten nur ver\u00e4chtliche Blicke f\u00fcr sie \u00fcbrig, war sie doch ebenso seltsam und unheimlich wie die alte Frau. Bei den jungen M\u00e4nner allerdings war sie beliebt, nicht nur wegen ihres sch\u00f6n anzusehenden K\u00f6rpers, sondern auch f\u00fcr ihr freiz\u00fcgiges Auftreten. Sie lie\u00df es sich nicht nehmen, in vollen Tavernen nach jungen Kriegern Ausschau zu halten, um ihnen dann den Kopf zu verdrehen, wof\u00fcr sie nicht selten ein warmes Mahl oder auch Schmuck bekam, die sie mit einem bezaubernden L\u00e4cheln annahm, bevor sie lachend und mit zur\u00fcckgeworfenem Haar aus der Taverne lief und verdutzte oder sogar entt\u00e4uschte Gesichter zur\u00fccklie\u00df.<\/p>\n<h4>Die Zigeuner<\/h4>\n<p>Nachdem Si\u2019ray ihre Arbeit im Haus erledigt hatte nahm sie den alten Weidenkorb und lief singend und gutgelaunt aus der H\u00fctte. Die <a href=\"https:\/\/www.fallen-lands.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2009\/02\/frau-zigeuner.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-70\" title=\"Frau Si'ray\" src=\"https:\/\/www.fallen-lands.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2009\/02\/frau-zigeuner.jpg\" alt=\"Frau Si'ray\" width=\"195\" height=\"320\" srcset=\"https:\/\/www.fallen-lands.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2009\/02\/frau-zigeuner.jpg 195w, https:\/\/www.fallen-lands.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2009\/02\/frau-zigeuner-182x300.jpg 182w\" sizes=\"auto, (max-width: 195px) 100vw, 195px\" \/><\/a>Anwesenheit ihrer Gro\u00dfmutter bedr\u00fcckte sie immer, doch drau\u00dfen, im Wald, in der Natur konnte sie aufatmen und musste sich nicht den Launen der alten Frau f\u00fcgen. Obwohl sie mit der Zeit gelernt hatte, sie milde zu stimmen und trotzdem noch ihren Willen durchzusetzen. Man konnte Si\u2019ray einfach keine b\u00f6se Absicht unterstellen, es war fast unm\u00f6glich den dunklen, traurigen Augen des jungen M\u00e4dchens etwas abzuschlagen.<br \/>\nSi\u2019ray kannte den Wald sehr gut und wusste, an welchen Pl\u00e4tzen sie welche Kr\u00e4uter finden w\u00fcrde. Zielstrebig lief sie zwischen den B\u00e4umen umher, kniete hier und da nieder um ein Nachtschattengew\u00e4chs oder einen Pilz zu pfl\u00fccken, zupfte ein paar s\u00fc\u00dfe Beeren von den Str\u00e4uchern und verharrte einen Augenblick im k\u00fchlen, klar sprudelnden Wasser des kleinen Baches.<br \/>\nSie wollte sich schon wieder auf den Heimweg machen, denn die Dunkelheit war hereingebrochen und das strahlende Blau des Himmels wurde langsam vom blassen Rot der untergehenden Sonne vertrieben, als sie etwas durch die St\u00e4mme schimmern sah. Bunte, leuchtende Farben versteckten sich hinter den Geb\u00fcschen und neugierig ging <strong>Si\u2019ray<\/strong> n\u00e4her. Mit jedem Schritt, den sie n\u00e4her heranging wurden die Stimmen lauter und deutlicher: das frohe, helle Lachen von Kindern vermischte sich mit dem Geschw\u00e4tz \u00e4lterer Frauen und den tiefen Stimmen von M\u00e4nnern.<br \/>\n\u00dcberw\u00e4ltigt stand Si\u2019ray am Rande der Lichtung und beobachtete das Treiben mit kindlicher Neugierde. Solche Leute hatte sie noch nie zuvor gesehen: Sie waren nicht sonderlich gro\u00df, schlank, sogar zierlich, aber ohne dabei in irgendeiner Weise zerbrechlich zu wirken. Ihr Haut war sonnengebr\u00e4unt und das wei\u00dfe Strahlen ihrer Z\u00e4hne hob sich deutlich davon ab, wie auch von ihren langen, schwarzen Haaren. Sie allesamt trugen bunte Kleider, reichlich bestickt und \u00fcppiger, goldener Schmuck zierte die Handgelenke, Finger und H\u00e4lse von Frauen wie auch M\u00e4nnern.<\/p>\n<p>Langsam verstummte die ausgelassene Stimmung und fragende, aber freundliche Blicke richteten sich auf sie. Eine \u00e4ltere Frau mit auff\u00e4lligen Bemalungen auf ihren H\u00e4nden winkte sie heran. Vorsichtig kam Si\u2019ray n\u00e4her und setzte sich neben sie auf den h\u00f6lzernen Pferdewagen. Gespannt kamen die kleinen Kinder angelaufen und zogen tuschelnd und schwatzend an ihren Kleidern und zwei kleine M\u00e4dchen machten sich sofort an ihren langen Haare zu schaffen. \u00dcberw\u00e4ltigt von den ganzen Eindr\u00fccken sa\u00df das junge M\u00e4dchen zwischen all den Menschen und versuchte auf die vielen Fragen zu antworten. Zwar war <strong>Si\u2019ray<\/strong> normalerweise ein wenig sch\u00fcchternes und offenes M\u00e4dchen, doch die Gastfreundlichkeit und Neugier dieser Leute schien sie fast sprachlos gemacht zu haben.<br \/>\nSchnell reichte man ihr noch warmes Brot und getrocknetes Fleisch, und erst nachdem sie ausf\u00fchrlich \u00fcber ihr Leben erz\u00e4hlt hatte lie\u00dfen die forschenden Blicke allm\u00e4hlich nach und Si\u2019ray traute sich auch, ein paar Fragen zu stellen. Woher sie kommen w\u00fcrden und wer sie sein, wollte sie wissen. Die Frau neben ihr antwortete ruhig auf ihre Fragen. Es stellte sich heraus, dass diese Sippe zu den Zigeunern geh\u00f6rte, die rastlos durch das Land zogen, von Stadt zu Stadt, wo sie sich ein wenig Gold verdienten mit artistischen Darbietungen oder kleineren Listen.<\/p>\n<h4>Ein neues Leben<\/h4>\n<p>Mittlerweile war es Nacht geworden, und das Feuer war heruntergebrannt. Noch immer sa\u00dfen die Menschen um sie herum und erz\u00e4hlten erlebte Geschichten. Si\u2019ray war fasziniert von dieser Lebensweise, hatte sie doch nie die Freiheit und Unabh\u00e4ngigkeit erfahren, die ein Leben auf der Wanderschaft bot. Immer war sie an ihre Gro\u00dfmutter gebunden. Sie war streng und verbittert und noch nie hatte Si\u2019ray eine andere Stadt gesehen als das kleine Dorf im Tal. Diese Leute hatten die Sehnsucht in ihr erweckt, Neues kennen zu lernen und ein ganz anderes Leben zu f\u00fchren. Zwar ein einfaches Leben, doch sie war es gewohnt ohne pers\u00f6nlichen Besitzt auszukommen.<br \/>\nIm Laufe dieser Nacht reifte in ihr der Entschluss, ihr altes <strong>Leben<\/strong>, ihre Gro\u00dfmutter zu verlassen und mit den Zigeunern bis zur n\u00e4chsten gro\u00dfen Stadt zu fahren. Es gab nicht viel, was sie hier hielt, und fast schon am\u00fcsiert dachte sie daran, wie ihr Fortgang der Gro\u00dfmutter nur Grund geben w\u00fcrde, ihren Hass auf die Welt weiter zu sch\u00fcren. Doch dieses Mal war es nicht sie, die das Selbstmitleid der launischen alten Frau ertragen w\u00fcrde, und mit einem Schmunzeln stellte sie sich vor, wie sie missmutig und mit den Z\u00e4hnen knirschend vor ihrem Kessel sitzen und zornig auf das leere Bett blicken w\u00fcrde.<\/p>\n<p>Noch im Morgengrauen brach die Sippe auf und die mit bunten Planen bedeckten Wagen setzten sich in Bewegung. Auf der Fahrt unterhielt sich Si\u2019ray ausgiebig mit der alten Frau. Ihr Name war Romijin und sie war die \u00c4lteste der Sippe. Fasziniert h\u00f6rte sie \u00fcber die Kunst des Kartenlegens und der Zukunftsvorausdeutung. Dabei lernte sie, dass es hierbei weniger auf Hellseherische F\u00e4higkeiten als auf Menschenkenntnis ankam. Augenzwinkernd verriet Romijin ihr, dass ihr Erfolg darauf beruhe, dass sie den Leuten genau das erz\u00e4hlte, was sie auch H\u00f6ren wollten. Ein paar Negative Deutungen einzustreuen war keine Kunst und diente nur der Authentizit\u00e4t ihrer Wei\u00dfsagung.<br \/>\nSi\u2019ray lachte \u00fcber ihre Worte und wurde sich nicht des langen, durchdringenden Blicks der Frau bewusst. Sie hatte sehr wohl die Kr\u00e4fte erkannt, die diesem M\u00e4dchen innewohnten. Denn obwohl ihre Wahrsagungen meist kleine Ab\u00e4nderungen der Wahrheit zum Wohl der Gro\u00dfz\u00fcgigkeit der G\u00e4ste waren, war Romijin doch <strong>keine gew\u00f6hnliche Frau<\/strong>. Fr\u00fcher hatte sie sich intensiver damit besch\u00e4ftigt, doch heute war sie ruhiger geworden und beschr\u00e4nkte sich auf ertragreichere Sachen wir Kartenlesen und Traumdeutung. Damals bereitete es ihr Spa\u00df, andere Leute damit zu erschrecken, pl\u00f6tzlich einen Vogel aus dem Geb\u00fcsch auffliegen zu lassen oder ihre St\u00e4rke kurzweilig zu vermehren, womit sie schon so manche Wette gegen einen jungen Mann gewonnen hatte, um sich dann an dem schadenfrohen Gel\u00e4chter seiner Freunde zu belustigen.<\/p>\n<p>Und genau diese F\u00e4higkeit sp\u00fcrte sie auch tief in Si\u2019ray und erkannte doch gleichzeitig ihre Naivit\u00e4t und ihr Unwissen diesbez\u00fcglich. Anscheinend wusste sie nichts von ihren Kr\u00e4ften&#8230;<\/p>\n<p>Nach einer halben Woche kamen sie in der Hauptstadt an. Si\u2019ray sp\u00fcrte ein unbehagliches Gef\u00fchl als sie durch das gro\u00dfe, steinerne Stadttor ritten. Ihre Reise mit den Zigeunern w\u00fcrde hier ein Ende nehmen. Hier war sie am Ziel&#8230;hier w\u00fcrde sie ein neues <strong>Leben<\/strong> beginnen. Doch je weiter sie in die Stadt ritten, desto mehr str\u00e4ubte sie sich gegen den Gedanken, sich von diesen Leuten zu trennen. Die sch\u00f6nen Abende um das Lagerfeuer hatten sich unvergesslich in ihre Erinnerung eingebrannt. Mit der Zeit hatte sie diese Menschen n\u00e4her kennen und ihr einfaches, aber erf\u00fclltes Leben sch\u00e4tzen gelernt. Innerlich sp\u00fcrte sie, dass sie auch dieses Leben f\u00fchren wollte, auch wenn es oft anstrengend war und man ihnen nicht immer mit Freundlichkeit und Gastfreundschaft entgegen kam. Und so entschloss sich <strong>Si\u2019ray<\/strong>, weiter mit den Zigeunern zu reisen und eine Weile bei ihnen zu bleiben.<\/p>\n<p>Schnell gew\u00f6hnte sich das junge M\u00e4dchen an das Leben und genoss es in vollen Z\u00fcgen. Sie freundete sich mit kaum \u00e4lteren Jungen Ghashna an und lernte von ihm, wie Zigeuner ihr Gold verdienten. Ihre Taktik war einfach, und doch war sie meistens von Erfolg gekr\u00f6nt: Si\u2019ray und Ghashna suchten sich eine volle Taverne aus, in der das h\u00fcbsche M\u00e4dchen meist sofort die Blicke der M\u00e4nner auf sich zog und den belustigten Rufen der angetrunkenen Abenteuer folgte, sich doch zu ihnen zu gesellen. W\u00e4hrend Si\u2019ray die M\u00e4nner mit einem aufreizenden Tanz ablenkte, suchte Ghashna mit seinen schnellen, geschickten Fingern, den Weg in die Goldbeutel der M\u00e4nner und nahm sich den \u201eLohn\u201c f\u00fcr ihre Darbietung. Schnell hatten die beiden herausgefunden, welche M\u00e4nner am einfachsten zu verf\u00fchren waren und welche sich am leichtesten von ihren M\u00fcnzen trennten.<br \/>\nHatte Ghashna ihnen auf diese Weise eine warme Mahlzeit erbeutet, sprang Si\u2019ray schnell von der Bank und sammelte hastig die Goldm\u00fcnzen auf, die ihr die M\u00e4nner zuwarfen. Lachend verschwand sie dann wieder aus der Taverne, und noch bevor die M\u00e4nner den Diebstahl bemerkten, waren sie auch schon in einer der zahlreichen, kleinen Gassen verschwunden und suchten im Gedr\u00e4nge der Stadt Schutz.<\/p>\n<p>Doch nicht nur von ihm lernte Si\u2019ray, auch Romijin brachte ihr einiges bei. Zun\u00e4chst lehrte sie ihr das Kartenlesen und ein wenig Hellsehen. Doch schon bald merkte sie, dass Si\u2019ray nicht nur talentiert sondern auch wissbegierig war, und bald darauf hatte sie alles gelernt, was Romijin ihr beibringen konnte. Die kleinen Kinder liebten ihre Tricks, und vor allem wenn sie ein paar w\u00fcrzig riechende Kr\u00e4uter in s\u00fc\u00dfes Geb\u00e4ck umwandelte scharten sich viele hungrige Gesichter um sie herum.<\/p>\n<p>So vergingen 2 Jahre und Si\u2019ray war ihrer \u201eFamilie\u201c immer \u00e4hnlicher geworden: auch ihre Haut war von der Sonne dunkler geworden und sie war selbstbewusst und gewitzt genug, um sich jeder Situation schnell anzupassen und auf ihre Vor- und Nachteile f\u00fcr sie einzusch\u00e4tzen. Dennoch war sie anders, und sie sp\u00fcrte, dass diese Andersartigkeit sie von ihrer Familie fort trieb. Anf\u00e4nglich hatte sie das Umherziehen geliebt. Sie hatte viel gesehen, viele Landschaften, St\u00e4dte und Menschen kennen gelernt. Vieles war so neu f\u00fcr sie gewesen und sie hatte jede neue Erfahrung tief in sich aufgenommen und dort in Erinnerung bewahrt. Doch sie sp\u00fcrte auch eine innere Unruhe. Die Zigeuner hatten kein Ziel, sie waren rastlos und nirgendwo zu Hause; sie besa\u00dfen keine feste Heimat, keinen Ort, an dem sie freudig willkommen wurden, keinen Platz, auf den sie sich freuten, dorthin zur\u00fcck zu kehren um mit Verwandten und Freunden gl\u00fccklich zusammen zu sitzen und sich Geschichten zu erz\u00e4hlen.<br \/>\nDoch <strong>Si\u2019ray<\/strong> vermisste diese Stetigkeit. Sie brauchte etwas in ihrem Leben, etwas Festes, etwas das bleiben w\u00fcrde, wohin sie auch ging. Eine Heimat, an die sie sich gerne zur\u00fcck erinnern w\u00fcrde wenn sie in der Ferne vor K\u00e4lte an einem kleinen Lagerfeuer zitterte.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.fallen-lands.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2009\/02\/zigeuner-wagen.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-72\" title=\"Zigeuner Wagen\" src=\"https:\/\/www.fallen-lands.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2009\/02\/zigeuner-wagen.jpg\" alt=\"Zigeuner Wagen\" width=\"200\" height=\"122\" \/><\/a>Und so beschloss sie, die Zigeuner zu verlassen. Sie hatte von ihnen gelernt, was es bedeutet, ein Lebensk\u00fcnstler zu sein und dieses Wissen w\u00fcrde ihr wahrlich von Nutzen sein, wenn sie sich allein in die Welt wagen wollte. Sie wusste, sie w\u00fcrde ihre Familie vermissen, doch genau so wusste sie, dass sie sie nicht das letzte Mal gesehen hatte und so machte sie sich voll Neugier und freudiger Erwartung auf ihren Weg&#8230;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mit einem lauten Knall flog die Holzt\u00fcr auf und krachte \u00e4chzend gegen die Wand. In der T\u00fcr stand eine kleine, zierliche Frau, ihre Augen leuchteten zorneserf\u00fcllt und ihre Haare waren trotzt ihres Alters immer noch erstaunlich dunkel. Ihre d\u00fcrren Arme waren verschr\u00e4nkt und trotzt ihrer eher schw\u00e4chlich wirkenden Gestalt war ihr Schrei laut und durchdringend:<br \/>\n&#8220;Siiiii\u2019raaaay&#8221;, hallte es durch den Wald. 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